Fehlstarts, Wortbruch, Zaudern: Zeit für einen Neustart im Kanzleramt
21. September 2026
Drei Wahlen, drei historische Abstürze. In Sachsen-Anhalt und Berlin wurde die Union massiv abgestraft, aber die Ergebnisse aus Mecklenburg-Vorpommern markieren den absoluten Tiefpunkt: Die CDU ist tatsächlich komplett aus dem Landtag geflogen. Die Umfragewerte von Friedrich Merz sind so schlecht wie die keines Bundeskanzlers je zuvor. Dieser Vertrauensverlust der Wählerinnen und Wähler kommt nicht überraschend – er ist die logische Quittung für eine Kanzlerschaft, die durch Fehlstarts, gebrochene Versprechen und eklatante Führungsschwäche geprägt ist.
Der Fehlstart ohne Autorität
Das Scheitern begann bereits am ersten Tag. Ein Kanzlerkandidat, der im ersten Wahlgang durchfällt, obwohl seine Fraktionen theoretisch über eine klare Kanzlermehrheit verfügen, startet nicht als souveräne Respektsperson in sein Amt. Wer nicht einmal die eigenen Reihen bei der wichtigsten Abstimmung des Parlamentarismus hinter sich vereinen kann, dem fehlt von vornherein die Autorität für die schwierigen Entscheidungen, die unser Land dringend braucht.
Das Märchen von der Haushaltsdisziplin
Noch schwerer wiegt der fundamentale Wortbruch in der Finanz- und Wirtschaftspolitik. Jahrelang hat Friedrich Merz aus der Opposition heraus der Ampel-Koalition vorgeworfen, zu viele Schulden zu machen. Er predigte unermüdlich, der Staat habe ein Ausgaben- und kein Einnahmenproblem, und beschwor die Einhaltung der schwarzen Null als oberste Pflicht der Vernunft.
Und die Realität? Noch bevor der neue Bundestag richtig arbeitsfähig war und Merz überhaupt zum Kanzler gewählt wurde, peitschte er das größte Schuldenpaket in der Geschichte der Bundesrepublik durch den Bundestag. Eine derartige politische Kehrtwende zerstört jegliche Glaubwürdigkeit. Das ist keine vernunftbasierte Haushaltspolitik, sondern plumpe Täuschung.
Zaudern und fatale Personalpolitik
Hinzu kommt ein Zaudern, das wir uns sicherheitspolitisch nicht leisten können. Als Oppositionsführer forderte Merz noch vehement die Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine. Jetzt, da er im Kanzleramt sitzt und die Macht dazu hätte, blockiert er die Lieferung weiterhin. Opportunismus statt Haltung.
Auch nach innen zeigt sich ein fatales Bild, besonders deutlich bei der Kabinettsumbildung im Sommer. Es geht nicht nur darum, dass das Verkehrsministerium monatelang im Chaos versank, sondern vor allem um die Art und Weise, wie Kanzler Merz mit seinem Verkehrsminister Patrick Schnieder umgegangen ist. Die öffentliche und unwürdige Demontage eigener Leute ist kein Zeichen von Führungsstärke, sondern ein Beweis für mangelnden Stil und fehlende Teamfähigkeit.
Die bittere Wahrheit: Deutschland steht vor gewaltigen Aufgaben in der Wirtschaft, der Digitalisierung und der Verwaltung. Diese notwendigen Reformen erfordern ein massives Maß an gesellschaftlichem Vertrauen und eine stabile Koalition – beides hat Friedrich Merz restlos verspielt.
Die Koalition muss halten, der Kanzler muss gehen
Die Antwort auf diese beispiellose Krise darf jetzt aber nicht lauten, dass wir die Regierung stürzen, den Karren komplett an die Wand fahren und das Land in Neuwahlen oder monatelangen Stillstand schicken. Die Koalition muss halten, um die Arbeit zu erledigen, für die sie gewählt wurde.
Aber damit diese Regierung überhaupt noch handlungsfähig bleibt und etwas Positives bewirken kann, ist ein personeller Neustart an der Spitze unausweichlich. Der Kanzler muss gehen. Es ist Zeit, Platz zu machen für verlässliche, pragmatische Vernunft statt ständiger ideologischer Volten.